Elektromobilitätskonzept in der Coburger Region

Der Landkreis als auch die Stadt Coburg streben auf Basis ihrer integrierten Klimaschutzkonzepte ambitionierte mittel- und langfriste CO2-Einsparungsziele an. Es ist erklärte Absicht von Stadt und Landkreis Coburg, gemeinsam passende Maßnahmen zum Klimaschutz abzuleiten und umzusetzen. Die Gestaltung der Mobilitätswende steht hierbei weit oben auf der Agenda zur Realisierung eines ganzheitlichen Klimaschutzes auf kommunaler Ebene.

Die Region Coburg sieht sich mit vielfältigen Wünschen der Bürger und neuen Fragestellungen bezüglich der Mobilität und im Speziellen der Elektromobilität konfrontiert. Elektrische Antriebe werden sich in den kommenden Jahrzehnten sukzessive zur dominierenden Antriebsart für Fahrzeuge entwickeln. Um konkrete Entscheidungen hinsichtlich der Gestaltung der Elektromobilität zu treffen haben der Landkreis und die Stadt Coburg in Kooperation mit der Mobilitätswerk GmbH ein Elektromobilitätskonzept erarbeitet. Die Erstellung des Elektromobilitätskonzeptes wurde durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert.

Das vorliegende Konzept soll Handlungsanweisungen und Impulse für den Umgang mit Elektromobilität in der Zukunft geben sowie Optionen zur Senkung von verkehrsbedingten Schadstoffemissionen durch den Einsatz von Elektrofahrzeugen aufzeigen. Der Landkreis und die Stadt Coburg haben sich zum Ziel gesetzt, die Elektromobilität in der Region zielstrebig voranzutreiben und hierfür konkrete Maßnahmen mit Blick auf den kommunalen Bereich, die Wirtschaft und den privaten Sektor erarbeitet.

Elektromobilitätskonzept

Im Rahmen des Elektromobilitätskonzeptes wurden folgende Inhalte untersucht:

  • Bestands- und Potentialanalyse von Ladeinfrastruktur im öffentlichen und halb-öffentlichen Raum
  • Bedarfs- und Nutzungsprognose für Ladeinfrastruktur in der Region Coburg für die Mikrostandortplanung von Ladestationen
  • Potentialanalyse zur Umstellung des Fuhrparks und der Mitarbeitermobilität, auf Basis von Nutzerverhalten- und Fahrtenanalysen
  • Potentialbewertung zu Ersatzmöglichkeiten für den motorisierten Individualverkehr, durch die Nutzung von alternativen Mobilitätsformen (z. B. Elektrofahrräder, e-Scooter o. Ä.) und Mobilitätsangeboten (z.B. (e-)Bike- und (e-)Car-Sharing, City-Logistik-Lösungen o. Ä.)

Basierend auf den Erfordernissen und Rahmenbedingungen der Gemeinden in der Region wurden anschließend partizipativ umsetzbare Handlungsempfehlungen für die Etablierung der Elektromobilität in der Region abgeleitet und in einen Maßnahmenkatalog zusammengetragen.

Ergebnisse der Potentialanalyse zur Elektromobilität​

Ladeinfrastruktur

Im Mittel werden bis 2030 für die Region Coburg 11.950 E-Pkw erwarte mit in etwa 1.220 Ladevorgängen pro Tag. Diese Prognose schließt öffentliche sowie halböffentliche Normal- und Schnellladevorgänge sowie das Anwohner-, Private- und Arbeitgeberladen mit ein. Entsprechend hoch ist die Anzahl der täglichen Ladevorgänge an Ladeinfrastrukturen bis zum Jahr 2030 prognostiziert. Der Bedarf kann sowohl über öffentliche als auch halböffentliche Ladeinfrastruktur gedeckt werden.

Aufbauend auf der Prognose der Ladeinfrastruktur auf kommunaler Ebene wurde eine Modellierung des kleinräumigen Standortpotentials für Ladeinfrastruktur durchgeführt. Die Planungsräume, die für alle Gemeinden und Städte in der Region einzeln in separaten Factsheets zusammengefasst wurden, beschreiben die Eignung für die Errichtung von Ladeinfrastruktur hinsichtlich deren erwarteter Auslastung. Die Standortanalyse basiert auf zahlreichen detaillierten Datensätzen, welche für die durchgeführte Analyse auf dem aktuellsten zur Verfügung stehenden Stand genutzt wurden. Neben amtlichen Daten und Geodaten von Unternehmen wurden auch freie Geodaten verwendet.

Mikrostandortplanung

Die detaillierten Bedarfsprognosen je Kommune auf Makroebene werden durch eine Mikrostandortplanung auf potentiell geeigneten Flächen für LIS in den identifizierten Planungsräumen ergänzt. Die örtlich verfügbaren Flächen- und raumspezifischen Voraussetzungen führen zu konkreten abgeleiteten Ausbauempfehlungen. Diese bieten dem jeweiligen Flächeninhaber eine genaue Evaluierung der LIS-Potentiale und einen Leitfaden bei der Planung entsprechender Ladesäulen auf dem eigenen Grundstück. Aus den Prognosen und Analysen wurden 15 Mikrostandorte in der Region Coburg ermittelt auf denen eine oder mehrere Ladesäulen sinnvoll errichtet werden könnten und sollten, um der Zunahme an Elektrofahrzeugen in Zukunft ausreichend Lademöglichkeiten zu bieten (11 Standort im Landkreis und 4 Standort in der Stadt Coburg). Im Zuge der Umsetzung des Elektromobilitätskonzept, ist es geplant auf die Flächeneigentümer zuzugehen und die Errichtung von Ladestationen anzuregen und entsprechend zu beraten.

Mitarbeitermobilität

Eine Mobilitätsbefragung, die unter den Mitarbeitern der Stadt- und Landkreisverwaltung sowie in den Unternehmen Dietz GmbH, Verpa Folie Weidhausen GmbH und Wöhner GmbH & Co. KG durchgeführt wurde ergab, dass ein grundsätzlich hohes Potential bzw. eine hohe Bereitschaft und Interesse besteht für die Nutzung von alternativen Mobilitätsformen für den täglichen Arbeitsweg sowie für Dienstgänge. Gerade den Umstieg auf ein (Elektro)Fahrrad, ÖPNV und Car- bzw. Bike-Sharing können sich viele vorstellen, wenn dafür attraktive Rahmenbedingungen geschaffen werden (z. B. Jobrad, günstige und leichte Ausleihbedingungen in Bezug auf Kosten, Buchung usw.).

Fuhrparkumrüstung auf E-Mobilität

Bei der Analyse des Fuhrparks der Stadtverwaltung Coburg und einiger Unternehmen aus der Region (Coburger Handtücher- und Mattenservice und Kommunalbetriebe Neustadt) anhand der Fahrtenbücher der untersuchten Fahrzeuge stellte sich heraus, dass nur 5% der Dienstfahrten die 100 km-Marke überschritten und sich somit 95% aller Fahrten für die Nutzung eines elektrisch angetriebenen Dienst-PkW eignen würden. Des Weiteren brachte die Analyse heraus, dass 10 % der Dienstfahrten unter einer Entfernung von 10 km lagen, so dass sich hier der Einsatz eines elektrisch betriebenen Fahrrades anbietet (in Abhängigkeit der Witterungsbedingungen). Beide Dienstfahrzeug-Alternativen würden für eine bessere Emissionsbilanz sorgen. Die verstärkte Nutzung von Elektrofahrrädern verbessert zudem die Gesundheit der Mitarbeiter.

Carsharing Potential

In der Region Coburg wurden alle Gemeinden und Städte als potentielle Car-Sharingstandorte untersucht, jeweils mit und ohne den Aspekt der Ankernutzung durch ansässige Unternehmen (Unternehmen, welche als Alternative zum Dienstwagen oder zu dessen Ergänzung auch Carsharing nutzen und somit eine gewisse Grundauslastung eines Carsharing-Angebotes darstellen könnten). - Dabei zeigten die Städte Coburg, Neustadt b. Coburg und Rödental eine hohe Eignung für die Errichtung und Nutzung von Carsharing-Stationen. Die Gemeinden Bad Rodach, Ebersdorf b. Coburg, Dörfles-Esbach und Niederfüllbach zeigen eine mittlere Eignung auf. Die Nutzung eines möglichen Sharing-Angebotes durch Anker-Mieter würde in allen Gemeinden die Auslastung eines Carsharing Angebotes erhöhen und somit auch seine Wirtschaftlichkeit. Insbesondere kleinere Gemeinden könnten durch einen oder mehrere Ankernutzer ihre Eignung für weitere Carsharing-Standorte erhöhen.

Weitere Themen aus dem Elektromobilitätskonzept

Elektrofahrräder

Da mehr als drei Viertel der zurückgelegten Strecken im Alltag unter 10 km liegen bietet das Elektrofahrrad eine echte Alternative zum PkW. Neben dem großen Einsatzbereich im Alltag bietet das Elektrofahrrad auch für den Tourismus neue Impulse. Um den Umstieg auf und Anstieg der E-Fahrräder zu beflügeln sind entsprechende Anreize zu schaffen, wie z. B. Jobrad- und Sharing-Optionen zu etablieren, Förderungen anzubieten uvm. Durch die Nutzung von Elektrofahrrädern ergeben sich neue Anforderungen an die Radinfrastruktur (z. B. Ausbau Fahrradwege und sicherer Radwege) und Fahrradabstellplätze (z. B. Ladeinfrastruktur und überdachte Abstellmöglichkeiten), die angegangen werden müssen.

Elektrifizierung ÖPNV

Die Elektrifizierung des ÖPNV ist in manchen Regionen Deutschlands bereits in vollem Gange, teils aus umweltfreundlichen Grundgedanken, teils um Fahrverbote zu vermeiden. Auch wenn in der Region Coburg keine Fahrverbote drohen stellt der Einsatz von lokal emissionsarmen Fahrzeugen vor allem im Stadtbereich bereits einen wichtigen, die Lebensqualität verbessernden, Effekt für die Anwohner dar. Weiterhin geht von einem elektrifizierten ÖPNV eine Signalwirkung aus welche einerseits indirekt für die Leistungsfähigkeit der Elektrofahrzeuge wirbt und andererseits für ein positives Image, sowohl für den Mobilitätsversorger als auch für die Stadt und den Landkreis, sorgen kann. Darüber hinaus profitieren von einem elektrifizierten ÖPNV weit mehr Menschen als von der privaten Anschaffung von Elektrofahrzeugen allein, sodass mit einer verhältnismäßig geringen Anzahl an elektrifizierten Fahrzeugen in diesem Bereich ein viel größerer Wirkungskreis erreicht werden kann.

City-Logistiklösungen

Da die Stadt Coburg und auch die Kommunen des Landkreises Coburg aktuell noch keine akuten durch City-Logistik bedingten Probleme haben, kann diese Situation genutzt werden, um Anreize für die Akteure der City-Logistik zu setzen, welche noch Erprobungscharakter besitzen. Darunter fallen insbesondere die Konzepte des Mini-Hubs (Belieferung im Nahbereich) sowie der Arbeitsplatzbelieferung. Bei Interesse kann die Region Coburg als kleinere Modellstadt dienen, um den Akteuren die Möglichkeit zu bieten, zu testen, inwieweit sich diese Konzepte auf kleinere Städte herunterskalieren lassen können. Davon profitieren sowohl die jeweilige Stadt durch verringerte Emissionen durch die neuen Projekte als auch die Akteure, welche daraus weitere Erkenntnisse über die konkrete Umsetzung dieser Konzepte ziehen können.

Automatisiertes Fahren

Die Realisierung eines autonomen Shuttlebusses ist für die Region Coburg denkbar und bietet große Potentiale zur Forschung und Entwicklung der Erweiterung des Mobilitätsangebotes im ländlichen Raum durch autonome Busse. Als Pilot-Anwendungsort bietet sich Bad Rodach bestens an. Ein autonomer Shuttle zwischen dem Bahnhof, dem Kurhotel und der Therme könnte sowohl durch die Gäste bzw. Touristen als auch Pendler genutzt werden. Der Bus muss jedoch aktuell noch mit einer Begleit- bzw. Sicherheitsperson besetzt sein und darf nur eine begrenzte Betriebsgeschwindigkeit von max. 20 km/h aufweisen. Dies ist auf die derzeitigen rechtlichen und technischen Voraussetzungen zurückzuführen. Für den Start eines solchen Projektes muss zuvor geprüft werden, ob die Strecken in Bad Rodach als geeignete Teststrecken in Frage kommen. Alternativ könnten geeignete Teststrecken gewählt werden, auf denen ein ähnlicher Mehrwert entstehen kann.

Maßnahmenkatalog​

Um als Region von den Chancen der Elektromobilität hinsichtlich Nachhaltigkeit und Wertschöpfung profitieren zu können müssen Maßnahmen zur Förderung und Gestaltung der Elektromobilität vor Ort umgesetzt werden. Hierbei kann auf den vorhandenen Stärken aufgebaut werden und muss an den Schwächen gearbeitet werden. Die Ausrichtung von Maßnahmen sowie deren Priorisierung lassen sich mit den vorhandenen Ressourcen und Begebenheiten sowie dem Nachholbedarf in einigen Bereichen begründen. Eine sinnvolle Anpassung an die regionalen Gegebenheiten ist von hoher Relevanz. Maßnahmen funktionieren in jeder Region etwas anders. Zu berücksichtigende Faktoren, wie bspw. große Arbeitgeber, Pendlerverhalten, Topografie etc. sollten in die Ausgestaltung und Umsetzung zwingend einbezogen werden.

Auf Grundlage der regionalen Gegebenheiten, durchgeführten Untersuchungen und Analysen im Rahmen der Konzepterstellung sowie den Erfahrungswerten der Berater der Mobilitätswerk GmbH wurden für die Region Coburg 26 konkrete Umsetzungsmaßnahmen definiert, aus denen sich sechs Arbeitspakete herauskristallisierten. Diese können bei konsequenter Umsetzung positiv auf die Entwicklung der Elektromobilität in der Region wirken und somit auch auf die CO2-Einsparungen im Mobilitätssektor. Eine Umsetzung der Maßnahmer soll sukessive unter Einbeziegung aller wichtigen Akteure erfolgen.

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