Erneuerbare Energie – Eine Potentialanalyse für den Landkreis Coburg

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien zählt im Rahmen der Klimaschutzbestrebungen der Region Coburg zu einem der wichtigsten Ziele zur Umsetzung erfolgreicher CO2-Minderungsmaßnahmen und der Gestaltung der Energiewende vor Ort. Das Integrierte Klimaschutzkonzept des Landkreises Coburg und die jeweiligen Maßnahmenkataloge zur Reduzierung der CO2-Emissionen umfassen zahlreiche anzustrebende Meilensteine im Bereich des Ausbaus und geschickten Einsatzes der Erneuerbaren Energien.

Mit der vorliegenden Potenzialanalyse Erneuerbare Energien im Landkreis Coburg, die 2017 in Form einer Masterarbeit von Maximilan Seyfferth durchgeführt wurde, und der entsprechenden Verortung der ermittelten Potenziale wird den verschiedensten Akteuren in der Region Coburg eine weitere Hilfestellung angeboten. Diese Hilfestelltung soll noch vorhandenen Potenziale leicht ausfindig zu machen und anhand der konkreten Anhaltspunkte zu gesetzlichen Rahmenbedingungen, Lage und möglicher installierbarer Leistung die vorhandenen Potenzialflächen im Einzelfall zu prüfen. Hieraus soll eine schnellere Realisierung der Projekte und eine Steigerung des Ausbaus Erneuerbarer Energien im Landkreis Coburg resultieren.

Unter Berücksichtigung lokaler und gesetzlicher Rahmenbedingung wurde das Potential für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien Vorort erstmalig geprüft und ausgewiesen. Folgende Fragestellung wurden in der Studie bearbeitet:

  • Wie viel Zubau erneuerbarer Energien ist im Landkreis Coburg unter aktuellen rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen möglich?

  • Kann der Landkreis Coburg seinen Energiebedarf zu 100 % aus regionalen Ressourcen mithilfe erneuerbarer Energien decken?

  • Wo lassen sich energetische Potenziale verschiedener Energieträger verorten?

Mithilfe von Geoinformationssystemen (GIS) wurden geeignete Flächen für die Nutzung verschiedener regenerativer Energieträger ermittelt und graphisch in aussagekräftigen Karten dargestellt. Dies soll als Planungsgrundlage für einen zielgerichteten Ausbau im Landkreis Coburg dienen.

Status quo der Erneuerbaren Energie (Stand 2015)

Im Jahr 2015 waren 93,4 MW Gesamtleistung erneuerbare Energien installiert, wodurch etwa 148,7 GWh elektrische Energie generiert werden konnten. Dies entsprach knapp 30 % des gesamten Stromverbrauches im Landkreis (Verbrauchsjahr 2009). Stärkster Erzeuger von erneuerbarer elektrischer Energie warim Landkreis Coburg die Bioenergie (48,2 %), gefolgt von Photovoltaik (48,1 %), Wasserkraft (2,5 %) und Windenergie (1,2 %). Zudem konnten 86,3 GWh an erneuerbarer Wärme aus der Kraft-Wärme-Koppelung von Biogasanlagen (70,3 GWh) und durch Solarthermieanlagen (16 GWH) erzeugt werden. Das entspricht in etwa 6,5 % des Wärmebedarfes im Landkreis. Die Größten Mengen an erneuerbarer Energie konnten im Jahr 2015 in den Gemeinden Meeder, Ebersdorf bei Coburg und Neustadt bei Coburg generiert werden, da sich dort u.A. einige große Photovoltaikanlagen befinden. Die Gemeinde Meeder ist die bisher einzige Gemeinde im Landkreis, der es gelingt, ihren Strombedarf bilanziell durch erneuerbare Energien zu decken. Hohe Werte der Stromverbrauchsdeckung aus erneuerbaren Energien weist auch die Gemeinde Großheirath mit etwas unter 90 % auf. Über die Hälfte ihres Strombedarfs kann die Gemeinde Ebersdorf bereits bilanziell aus Erneuerbaren gewinnen.

Wie hoch der tatsächliche Anteil der erneuerbaren Energien an der Wärmeversorgung ausfällt, kann nicht exakt dargestellt werden, da nur für die Wärmebereitstellung aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen in Biogasanlagen sowie durch Solarthermie Werte der Erzeugung ermittelt werden konnten. Aus diesen zwei Energieträgern können allerdings bereits bis zu 36 % des Wärmeverbrauchs 2009 (z. B. Gemeinde Meeder) gedeckt werden.

Ausbaupotential der Erneuerbaren Energie (Stand 2015)

Durch den Zubau von Windenergieanlagen, Wasserkraftwerken, Photovoltaik- und Solarthermieanlagen sowie durch die energetische Nutzung von Biomasse könnten bei vollständiger Ausnutzung der beschriebenen Potenziale insgesamt ca. 681,6 GWh Strom erzeugt werden. Rechnet man die Stromerzeugung der Bestandsanlagen von etwa 148 GWh hinzu, so ließe sich der Stromverbrauch des Landkreises Coburg aus dem Jahr 2009 (letzte vorliegende Endenergiebilanz zum Stand 2015) bilanziell zu etwa 163 % durch erneuerbare Energien decken.

Hinsichtlich der Wärmeerzeugung kann dieser hohe Prozentsatz nicht erreicht werden. Durch vollständige Nutzung der Solarthermie-Potenziale und der thermischen Potenziale aus Biogasanlagen, Heizkraftwerken etc. ließen sich ca. 841 GWh Wärme erzeugen (vgl. Tabelle 10). Zusammen mit der bereits bestehenden Wärmeerzeugung aus der Kraft-Wärme-Kopplung von Biogasanlagen und aus Solarthermieanlagen könnte lediglich ein Anteil von etwa 70 % am Wärmeverbrauch des Jahres 2009 erreicht werden.​

Solarenergie

Im Landkreis Coburg wurden 267,6 ha als geeignete Flächen für die Nutzung von PV- Freiflächenanlagen ermittelt, was in etwa 0,5 % der gesamten Fläche des Landkreises entspricht. Auf dieser Fläche ließen sich in etwa 153 MWp Leistung installieren und jährlich bis zu 140 GWh Strom generieren. Auf den Dächern des Landkreises eignen sich in etwa 310 ha für die Montage von Photovoltaik-Anlagen, die eine Erschließung von ca. 260 MWp Leistung ermöglichen. Bei einer vollständigen Nutzung der gesamten möglichen Dachflächen wären somit 216 GWh Strom erzeugbar. Das Potential für die Erschließung von Solarthermie-Dachflächenanlagen fällt durch die reine Installation auf Dachoberflächen etwas geringer aus, da natürlich keine Doppelbelegung der Flächen möglich ist. Hier könnten unter den getroffenen Annahmen der Masterarbeit auf einer gesamten Fläche von 93,8 ha bis zu 510 GWh thermische Energie erzeugt werden.

Windenergie

Rund 637 ha konnten unter den getroffenen Annahmen als geeignete Fläche für die Windenergie in Landkreis Coburg ausfindig gemacht werden. Innerhalb dieser Flächen ließen sich unter Berücksichtigung der nötigen Mindestabstände zwischen den Windkraftanlagen insgesamt 55 Windkraftanlagen errichten. Somit könnten insgesamt 129,6 MW Leistung installiert werden, durch die wiederum ca. 194 GWh Strom erzeugt werden könnten.

Bei dem Potenzial der Windenergie muss allerdings beachtet werden, dass die Potenzialflächen, innerhalb derer eine Windenergienutzung prinzipiell möglich ist, nach weichen und harten Kriterien unterschieden werden. Flächen, die in keinem Schutzgebiet liegen wurden somit als Potenzialflächen ohne Vorbehalt gekennzeichnet. Dementsprechend wurden Potenzialflächen, die innerhalb von geschützten Bereichen liegen, für die im Einzelfall geprüft werden muss, ob eine Windenergienutzung die jeweiligen Schutzgüter beeinträchtigt, als Flächen mit Vorbehalt bezeichnet. Dies sollte bei der Begutachtung der Potenziale berücksichtigt werden, da etwa 40 % der ausgewiesenen Potenzialflächen innerhalb von Schutzgebieten liegen. Deren Beitrag zur Stromgewinnung könnte gänzlich entfallen, wenn die zuständige Behörde der Windenergie in diesen Bereichen eine erhebliche Beeinträchtigung der Schutzgüter attestiert. Betroffen wären hiervon insgesamt 20 Windenergieanlagen. Weitere Konflikt-Kriterien sind im Rahmen der Masterarbeit auch bei den restlichen Anlagen nicht auszuschließen und im Einzelfall zu prüfen.

Wasserkraft

Im Landkreis Coburg könnten bis zu 30 stillgelegte Wasserkraftwerke wieder reaktiviert werden. Durch die Reaktivierung dieser Anlagen ließe sich eine Gesamtleistung von 380 kW installieren und somit im Jahr 1,3 GWh Strom erzeugen. An zehn Bestandsanlagen besteht zudem ein Nachrüstungs- bzw. Modernisierungspotential. Insgesamt ließen sich durch diese 40 Wasserkraftanlagen etwa 1,7 GWh Strom erzeugen.​

Bioenergie

Würden für die landwirtschaftliche Produktion von energiereichen Substraten 20 % der Ackerflächen und 40 % der Grünlandflächen genutzt, so stünden im Landkreis Coburg ca. 4.848 ha Ackerfläche und 2.395 ha Grünlandfläche, nach Abzug der Schutzgebiete des Naturschutzes, zur Verfügung. Zusätzlich könnte Waldrestholz, welches jährlich auf einer Gesamtfläche von 15.467 ha anfällt, energetisch verwertet werden. Die energetischen Potenziale dieser drei Energieträger konnten für jede Verwaltungseinheit im Landkreis Coburg ermittelt werden. Die größten Potenziale der Bioenergie im Landkreis Coburg ergeben sich in der Nutzung von Ackerland zum Anbau von Energiepflanzen. Hieraus ließen sich 181,82 GWh thermische und 60,61 GWh elektrische Energie erzeugen.

Im Landkreis Coburg besteht zudem ein Potenzial der energetischen Nutzung von Landschaftspflegematerial. Da dieses im gesamten Landkreis anfällt aber zentral aufbereitet wird kann dieses Potenzial nicht verwaltungsspezifisch aufgeteilt werden. Aus der im Jahr 2015 anfallenden holzigen Biomasse von 6.673 Tonnen kann ein energetisches Potenzial von 3,5 GWh Strom und 10,51 GWh Wärmeenergie berechnet werden.

Des Weiteren ließen sich durch die energetische Verwertung von tierischen Exkrementen im Landkreis Coburg Energie in der Größenordnung von 31,15 GWh Strom sowie 38,52 GWh Wärme generieren. Dieses Potenzial sollte vor allem aus Sicht des Klimaschutzes bestmöglich ausgeschöpft werden, da hierdurch beträchtliche Mengen an Methan-Treibhausgasemissionen vermieden werden könnten.