​Gunnar, 26 Jahre, Metzger

DCH19_GunnarSeit wann sind Sie als Metzger tätig?

Seit 1908 gibt es die Fleischerei Luther. Ich selbst habe meine Ausbildung im September 2017 begonnen.

Was macht Ihren Beruf so spannend?

Die Vielschichtigkeit, welche man im ersten Moment nicht erwarten würde. Wir haben eine extrem verantwortungsvolle Aufgabe - das fachgerechte Herstellen von Lebensmittel. Dabei ist jedoch nicht nur das Produkt wichtig, sondern der gesamte Prozess. Angefangen vom lebenden Tier, was in der heutigen Zeit leider viele vergessen, bis hin zu biochemischen Prozessen, welche von uns überwacht und gesteuert werden müssen um Ware erster Güte produzieren zu können. Es sind also viele verschiedene Arbeitsschritte und ein breites Fachwissen (Tierwohl, Lebensmittelrecht, Biochemie, Anatomie, Verbraucherschutz, Hygiene, handwerkliches Arbeiten etc.) notwendig, um beste Qualität herstellen zu können.

Welchen Beruf haben sich Ihre Eltern für Sie gewünscht?

Meinen Eltern war und ist es immer das Wichtigste gewesen, dass ich glücklich werde mit dem, was ich tue. Sie gaben mir also keine Vorgaben, was ich einmal machen soll, solange ich dabei mit mir selbst im Reinen bin. So studierte ich nach meinem Abitur Jura in Bayreuth. Nach zwei Jahren merkte ich allerdings, dass ich damit eben nicht glücklich war, und orientierte mich (mit dem Rat meiner Eltern) um.

Beschreiben Sie Ihren Job mit einem Filmtitel.

Von A-Z. Uns Metzgern ist nicht nur das Produkt, sondern die gesamte Wertschöpfungskette wichtig. Das schließt Tierwohl und Aufzucht genauso wie Verarbeitung und Kundenkontakt ein.

Wie sehen der Alltag und die damit verbundenen Aufgaben aus?

Der Tag eines Metzgers beginnt schon recht zeitig. Um 5 Uhr morgens ist Arbeitsbeginn. Dann werden alle Produkte hergestellt, welche zwingend ganz frisch hergestellt werden müssen (frische Coburger Bratwurst, frische Münchner Weißwürstchen etc.). Danach steht alles an, was vorbereitet werden muss, um weitere Produkte produzieren zu können. Sei es nun Fleisch auszulösen oder Kochschinken zu verarbeiten. Alles wird frisch von Hand hergestellt.

Wo findet die Arbeit statt?

Die Arbeit findet ausschließlich in dafür geeigneten, hygienisch sicheren, und von der Lebensmittelüberwachung abgenommenen Räumlichkeiten der Produktionsstätte statt. Dies ist notwendig, um für den Kunden qualitativ-hochwertige sowie lebensmitteltechnisch sichere Produkte erzeugen zu können.

Was ist das erste, was Sie früh in die Hand nehmen?

Zuerst wird jeden Morgen frische, weiße Hygienekleidung angelegt, sowie eine Hygienewaschung (Hände/Unterarme) durchgeführt.

Was fällt Ihnen schwer?

Ich denke, dass ich in allen Bereichen einer Handwerksmetzgerei gut aufgehoben bin. Was mir jedoch nicht gefällt, ist das viele und ausgiebige Reinigen. Nachdem es aber oberstes Gebot ist, jeden Tag seinen Arbeitsplatz komplett zu putzen und zu desinfizieren, ist das eine Arbeit die ich dennoch mache.

Besonderheiten im Beruf?

Hygienekleidung, Schutzkleidung (Stechschutzschürze/Handschuh), rutschfeste Sicherheitsschuhe, früher Arbeitsbeginn dafür aber auch zeitiger Schluss.

Was könnten Sie Leuten empfehlen, die sich für Ihren Beruf interessieren?

Praktikum machen und dabei sehen was wir Metzger wirklich jeden Tag leisten. Und nicht von gängigen Vorurteilen abschrecken lassen.

Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es als Metzger?

Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten. z. B: Meisterschule, Betriebswirt im Handwerk, Verkaufsleiter, Fleischsommelier, Fleischtechniker, Lebensmitteltechnik (Studium), Lebensmittelmanagement (Studium) oder die Selbstständigkeit.

Haben Sie genügend Zeit für Familie, Freunde, Hobby?

Ja. Nachdem meine Arbeitszeit beginnt, wenn die meisten noch schlafen, bin ich in der Regel mittags schon zu Hause. So habe ich genügend Zeit, um meinen Hobbys nachgehen zu können, bzw. um Zeit mit meiner Familie und Freunden zu verbringen. Auch die Wochenenden und Feiertage sind freie Tage für mich, an denen nicht gearbeitet wird.

Was war Ihr persönliches Highlight?

Ich habe mich für das „Butcher-Wolfpack“, sozusagen das deutsche Nationalteam der Metzger, qualifiziert. Dafür musste ich mich gegen eine Vielzahl von Bewerbern durchsetzen. So habe ich mich für die Weltmeisterschaft der Metzger (World Butchers‘ Challenge) qualifiziert und darf 2020 mit nach Sacramento in die USA fliegen, um Deutschland zu vertreten. Zudem habe ich im Leistungswettbewerb der Fleischerjugend den 1.Platz in Oberfranken gemacht und den 2. Platz auf Landesebene.